Souverän gehorchen – lebendig führen und folgen
Bereits am Boden kann man viel mit dem Pferd arbeiten und lernen. Denn Pferde sind wunderbare Spiegel des Umgangs mit uns selbst. Sie reagieren auf feinste Nuancen der Körpersprache und Stimmungen. Um mit einem Pferd souverän umgehen zu können – ob auf dem Boden oder im Sattel – braucht man vor allem genau das: Souveränität, d.h. eine Klarheit und Achtsamkeit für das, was man tun möchte, und die Ausstrahlung, dass das genau so richtig und gewollt und vor allem ungefährlich ist. Denn Pferde sind Fluchttiere und entscheiden im Zweifelsfall lieber selbst, anstatt sich jemandem anzuvertrauen, der sich seiner Sache nicht sicher ist. Dieser Souveränität lässt sich jedoch nicht mit Härte oder zu viel Druck erreichen, sondern nur mit liebevoller Klarheit und mentaler Stärke.
Die Bodenarbeit am langen Arbeitsseil oder auch die Freiarbeit im sogenannten Roundpen ist wunderbar geeignet für alle Menschen in Führungspositionen, die sich mehr Klarheit und Souveränität wünschen: Eltern, Pädagogen, Manager etc.
Genauso wichtig ist diese Ausrichtung aber auch für Menschen, die Gehorsam leisten müssen, also Ordensleute, Mitarbeiter oder schlicht alle Menschen, die ihr Leben von Gott leiten lassen wollen. Denn damit es kein sogenannter Kadavergehorsam wird, ist es entscheidend, wie wir Gehorsam leisten. Souverän gehorchen können wir nur, wenn wir selbst gut bei uns sind, uns innerlich ausrichten und dann vertrauensvoll anlehnen.
Als ehemalige Nonne kenne ich die Schwierigkeiten, Gehorsam zu leisten, wo es gegen den eigenen Strich geht, und als Reiterin weiß ich, wie kostbar es ist, wenn das Pferd sich vertrauensvoll in die Hände des Reiters begibt und sich an den Zügel anlehnt.
Bei dieser Arbeit geht es um Achtsamkeit für das eigene Wollen und Wünschen, Widerstand, Selbstwirksamkeit, Vertrauen und Wachstum. Sie führt zu einer selbstbestimmten Haltung und Handlungsweise, in der man lebendig führen und folgen kann.